Andy Goldsworthy in der Provence: in einer Skulptur übernachten

Zwei geführte Wanderreisen in den Alpes-de-Haute-Provence, bei denen alles inbegriffen ist: rund um die weltweit größte Ansammlung von Werken Andy Goldsworthys – und um den einzigen Ort, an dem er Bauten geschaffen hat, in denen man schlafen soll. Sechs oder acht Tage, Gruppen von fünf bis zehn Personen, 1.690 € oder 1.590 €. Termine: 24. bis 31. Mai und 3. bis 8. Juni 2027, ein weiterer im Oktober. Geführt wird auf Englisch, in einer internationalen Gruppe.

Ein Kunstwerk von hundertfünfzig Kilometern

1994 lädt das Musée Gassendi in Digne-les-Bains den britischen Bildhauer Andy Goldsworthy ein, in den Bergen rund um die Stadt zu arbeiten. Fast zwanzig Jahre lang wird er dort arbeiten.

Was daraus entstanden ist, heißt Refuge d’Art: ein einziges, zusammenhängendes Werk, das sich über hundertfünfzig Kilometer Wanderweg erstreckt. Es verbindet drei mächtige Trockensteinkegel – die Sentinelles – mit einer Reihe verfallener Schäfereien und Wegkapellen, die Goldsworthy Stein für Stein wieder aufgebaut hat. In jeder steht eine Skulptur, die für sie allein entworfen wurde, für diesen Ort und für keinen anderen. Und jede ist eine Unterkunft, in der man schlafen kann: ein Tisch, Bänke, ein Kamin, eine Quelle in der Nähe.

Kein einziges Refuge d’Art ist mit dem Auto erreichbar. Sie liegen mitten in den Bergen, etwa eine Stunde Fußmarsch von der nächsten Straße entfernt, manche weiter – ein wiederaufgebauter Bauernhof am Ende eines Tals, ohne Strom und ohne Nachbarn, eine Kapelle auf einem Felssporn. Man muss wandern, um sie zu entdecken.

Es ist ein enormer Unterschied, ob man ein Kunstwerk ein paar Minuten lang in einem Museum betrachtet oder ob man eine Weile mit ihm lebt und mit ihm schläft. Mit einer Skulptur zu schlafen – das ist eine schöne Idee.
Andy Goldsworthy, Interview, 2002

Nichts ist beleuchtet, nichts ausgeschildert, nichts bewacht. An mehreren dieser Werke würde man vorbeigehen, ohne sie zu sehen.

Im September 2026 wurde Andy Goldsworthy mit dem Praemium Imperiale für Skulptur ausgezeichnet – vergeben von der Japan Art Association und vielfach als Nobelpreis der Künste bezeichnet.

Land Art in der Provence: hundert Werke auf zweitausend Quadratkilometern

Refuge d’Art ist nicht das einzige Werk dieser Sammlung. Seit jener ersten Einladung hat das Musée Gassendi seine Sammlung aus den eigenen Mauern hinausgetragen: Rund hundert zeitgenössische Werke verteilen sich heute über den UNESCO Global Geopark Haute-Provence. Alle sind in situ entstanden – jedes wurde für genau den Ort geschaffen, an dem es steht, und gibt es nirgendwo sonst.

Der Niederländer herman de vries hat Inschriften in Blattgold auf blanken Fels gesetzt und in einem Wald, in dem für ihn der Geist des Ortes weht, ein sanctuaire de la nature errichtet. Der Amerikaner Richard Nonas, Anthropologe bevor er Bildhauer wurde, hat die Grenzlinie zwischen Kultur und Natur markiert.

Wer die Gegend kennt, kennt meist den Verdon: Die Schluchten und der Lac de Sainte-Croix liegen weniger als eine Autostunde südlich, die Lavendelfelder von Valensole ebenso. Von diesen Bergen weiß dagegen kaum jemand – und genau das macht sie aus.

Der Wahlspruch des Museums stammt von Pierre Gassendi, dem 1592 hier geborenen Philosophen: ambulo ergo sum – ich gehe, also bin ich. Das Museum nimmt ihn beim Wort. Diese Werke zeigen sich nur denen, die zu ihnen gelaufen sind.

Zwei Angebote, bei denen alles inbegriffen ist

Die Wanderreise – 8 Tage

Dauer8 Tage / 7 Nächte
Anspruch3/5 — geübte Wanderer, gute Grundkondition
Gehzeit3–5 Stunden täglich, Rucksack rund 8 kg
Refuges d’Art5 gesehen, 2 übernachtet
Nächte1 Hotel in Digne, 3 Gîtes, 2 Refuges d’Art, 1 in Aix-en-Provence
Gruppe5 bis 8
Termin24.–31. Mai 2027
Preis1.690 €

Programm Tag für Tag (auf Englisch) →

Die Standortreise – 6 Tage

Dauer6 Tage / 5 Nächte
Anspruch2/5 — leicht, für alle machbar
Gehzeit2–4 Stunden täglich, leichter Tagesrucksack
Refuges d’Art4 gesehen
Nächte4 in der Villa Gaia, 1 in Aix-en-Provence
Gruppe6 bis 10
Termin3.–8. Juni 2027
Preis1.590 €

Programm Tag für Tag (auf Englisch) →

Herbsttermine im Oktober, die Daten werden gerade mit den Unterkünften abgestimmt. Das Programm Tag für Tag finden Sie auf der englischen Seite.

Der letzte Tag: Château La Coste

Der letzte Tag ist ein Schock. Und das ist Absicht.

Sie kommen aus einer Woche, in der nichts ausgeschildert war, in der Sie kaum jemandem begegnet sind, in der ein Refuge mehrere Stunden Fußmarsch entfernt lag. Anderthalb Stunden weiter südlich, in der Nähe von Aix-en-Provence, reicht Ihnen jemand ein Glas Rosé auf einer Terrasse inmitten von zweihundert Hektar Weinbergen.

Château La Coste versammelt über vierzig Werke auf einem vier Kilometer langen Rundgang – Richard Serra, Louise Bourgeois, Franz West, Sean Scully, Ai Weiwei, Alexander Calder – zwischen Bauten von Tadao Ando, Jean Nouvel, Frank Gehry und Renzo Piano. Auf halber Strecke eine niedrige Tür in einer Trockenmauer: wieder Goldsworthy, der Oak Room, eine Kammer, in die Mauer gebaut aus zwölfhundert Stücken burgundischer Eiche.

Zwei Sammlungen, beide Kunst, die im Freien steht, um in einer Landschaft zu leben – und die weiter voneinander entfernt kaum sein könnten.

Alles ist inbegriffen, Sie müssen nichts organisieren

Von 16 Uhr am ersten Tag bis 17 Uhr am letzten, zwischen dem TGV-Bahnhof Aix-en-Provence und ebendiesem Bahnhof, gibt es nichts zu planen. Die Abholung bei der Ankunft – Bahnhof Aix TGV, Bahnhof Marseille Saint-Charles oder Flughafen Marseille –, ein eigenes Fahrzeug für die gesamte Reise, sämtliche Transfers, alle Übernachtungen, alle Mahlzeiten und alle Eintritte: gebucht und im Voraus bezahlt.

Die Mahlzeiten gehören zur Reise. Auf der Wanderreise wird abends vor Ort gekocht, über dem Holzfeuer oder im Kamin des Refuge: frischer Ziegenkäse, Gemüse, Hülsenfrüchte und Gewürze, Landbrot, Lammkoteletts auf der Glut. Regionale Bio-Produkte, lose eingekauft, in Glas und Papier – auch deshalb tragen wir unsere Rucksäcke selbst, statt sie mit dem Geländewagen von Refuge zu Refuge fahren zu lassen. In der Villa Gaia kocht Anne-Françoise, was der Gemüsegarten und die Jahreszeit hergeben.

Anreise. Marseille hat Direktflüge aus Frankfurt, München, Düsseldorf, Zürich und Wien – aus Frankfurt sind es 1 Stunde 30. Und es gibt einen TGV, der Frankfurt am Main ohne Umsteigen mit Marseille verbindet; ich hole Sie am Bahnhof Saint-Charles ebenso ab wie anderswo. Von Paris aus fährt der TGV drei Stunden bis Aix.

Veranstalter ist Vercors Escapade, ein lizenziertes französisches Reisebüro: Ihre Buchung ist durch die gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzabsicherung gedeckt.

Ihr Bergwanderführer

Luc Richard ist staatlich geprüfter französischer Bergwanderführer (Accompagnateur en Montagne) und einer der wenigen Führer, die vom Musée Gassendi zertifiziert sind, die Collection d’Art en Montagne zu vermitteln. Er führt diese Route seit acht Jahren.

Schriftsteller und ehemaliger Journalist – China-Korrespondent für französische Presse und französischen Rundfunk, zehn Jahre in Peking –, hat er zahlreiche Expeditionen in die Wildnis unternommen, von Feuerland bis Island. Als Kunstliebhaber kennt er diese Sammlung Werk für Werk und ist mit ihr noch längst nicht fertig.

Beide Reisen hat er selbst entworfen, und er führt sie selbst. Als Genussmensch verwöhnt er Sie an den Abenden in den Refuges d’Art mit einer Küche mediterraner Prägung.

Geführt wird auf Englisch

Die Gruppe ist international: Briten, Amerikaner, Australier, Niederländer – und, 2027 zum ersten Mal, Gäste aus dem deutschsprachigen Raum. Dafür gibt es diese Seite. Alles läuft auf Englisch – die Erläuterungen, die Einweisungen, die Führung in Château La Coste. Um alles, was auf Französisch zu regeln ist, kümmert sich Luc Richard: Unterkünfte, Fahrer, Refuge-Wärter, Museen.

Französisch müssen Sie nicht sprechen. Reiseenglisch genügt vollkommen – und die Abende in einer Skulptur, bei Kerzenlicht, mit fünf Menschen von anderswo, sind ein guter Teil dessen, weshalb man hierherkommt.

Auch am Telefon und über WhatsApp: Englisch.

Die Termine 2027

  • 24. bis 31. Mai 2027 – Wanderreise
  • 3. bis 8. Juni 2027 – Standortreise
  • Oktober 2027 – Termine in Abstimmung

Die Anmeldung öffnet Ende September. Die Warteliste erfährt es zuerst.

Luc Richard · luc@lucrichard.fr · +33 6 08 16 66 44 (WhatsApp / Signal)